Il Vittoriale degli Italiani

File 212Exzentrisch, einzigartig und enorm – der Museumskomplex „Il Vittoriale degli Italiani" (dt. Schrein italienischer Siege), der sich an der Westküste des Gardasees unweit von Salo erstreckt, zählt zu den außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Italiens und macht dem skurrilen Ruf seines Erschaffers, Gabriele D'Annunzio, alle Ehre. Es ist ein Ort, den man gesehen haben muss, um ihn in all seiner Verrücktheit zu verstehen – und eine Attraktion, die auf keiner Reiseroute um den Gardasee fehlen darf.

"Il Vittoriale degli Italiani" wurde 1921 von dem italienischen Poeten und glühenden Patrioten Gabriele D'Annunzio als dessen neues Privathaus erworben und noch während seiner Lebzeiten in ein Museum seines persönlichen Heldenkultes umgewandelt. D'Annunzio führte ein ausgesprochen facettenreiches Leben und ging unter Anderem als Dichter, Gigolo, Kriegsheld und Befürworter des Faschismus sowie als Privatfreund Mussolinis in die Geschichte ein – entsprechend wichtig war ihm auch die Suche nach einem Anwesen, das seinen vielseitigen Interessen und exzentrischen Vorlieben gebührenden Ausdruck verleihen konnte. Zu den über 40.000 Gegenständen, die heute das Innere der Villa D'Annunzios schmücken, zählen Waffensammlungen ebenso wie Bücherberge, Kultobjekte verschiedenster Weltreligionen und zahlreiche weitere, bizarr-exotisch anmutende Fundstücke aus aller Welt, die D'Annunzio im Laufe mehrerer Jahrzehnte erwarb. Zusammen bilden die Exponate ein groteskes Sammelsurium, welches sich jeder genaueren Definition erwehrt. Zu den Räumen, die auf einem der geführten Rundgänge durch die Villa besichtigt werden können, gehören das Arbeitszimmer und der Speisesaal D'Annunzios ebenso wie seine persönliche Totenkammer, in welcher er zu Lebzeiten zu meditieren und nach Inspiration für neue Werke zu suchen pflegte.

Das Innere des Hauses, in dem D'Annunzio auch bis zu seinem Tod im Jahr 1938 lebte, wirkt bisweilen nicht nur wie eine dekadente Traumwelt, sondern mutet aufgrund der düsteren und lichtarmen Gestaltungsweise der Villa gerne auch ein wenig klaustrophobisch an. Einen angenehmen Kontrast zur Enge des Herrenhauses bildet das sonnige Ambiente der weitläufigen Gartenanlage, die dem Museumskomplex angeschlossen ist: Stimmungsvolle Blumengärten und eine malerische Hügellage mit Blick auf den Gardasee kreieren hier eine offene und idyllische Atmosphäre, die hervorragende Möglichkeiten zum Fotografieren bietet. Ausgefallener Höhenpunkt des Gartens ist nicht nur das auf narzisstische Weise ausgestaltete Mausoleum D'Annunzios, sondern auch der in eine Felswand eingearbeitete Bug eines Kriegsschiffes und das nach römischem Vorbild gestaltete Freilichtmuseum.